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Sicherheit in Herzform. • Foto: Markus Gächter

Von der Not zur Tugend

Dossier Wasser • Der Kanton Glarus ist mit Wasser gesegnet. Doch Klimaveränderungen und häufiger auftretende Unwetter stellen hohe Ansprüche an den Hochwasserschutz. Ein gelungenes Beispiel ist die Guppenrunse.

DOSSIER

Hier publiziert der neue Public Newsroom des Kanton Glarus jeden Sonntag Artikel und Hintergründe zu einem Schwerpunkt. In den folgenden Wochen finden Sie Wissenswertes zum Thema «Wasser». 

Hochwasserabfluss in der Guppenrunse vom 23. Jului 2010 – vor dem Bau der neuen Geschiebeablagerungsräume. • Foto: Markus Gächter

Meist plätschert das Wasser durch die Guppenrunse vom Glärnisch friedlich ins Tal hinunter. Doch dass der Wildbach auch ganz anders kann, zeigten die grossen Unwetter im Juni 2010 und Oktober 2011. Massive Schlammlawinen (Murgänge) von mehreren 10'000 Kubikmetern zerstörten die alte Sperrentreppe im Sienentobel, die über 100 Jahre lang den Abfluss des Bergbachs eingedämmt hatte. Folgeschäden blieben dank umgehend eingeleiteter Sofortmassnahmen zwar aus. Doch noch immer bestehen durch den Wegfall der Sperrentreppe grosse Defizite in punkto Hochwasserschutz. «Damit sich dieser grossflächig gewährleisten lässt, sind zusätzliche Massnahmen und Sicherungen nötig», sagt Kurt Luchsinger, Präsident der Guppenrunskorporation.

Schutzmassnahmen im Visier

(li) Bau der massiven, dreifeldrigen Stahlbeton-Kastensperre des unteren Geschiebeablagerungsraumes. 
(re) Bauarbeiter beim Ausarmierung eines Flügelbauwerks.• Fotos: Markus Gächter

Diese Korporation für die Guppenrunse – sie setzt sich aus Fachpersonen sowie Vertretern von Kanton und der Gemeinde Glarus Süd zusammen – hat deshalb zügig Wegweisendes beschlossen: Ein Teil der stark beschädigten Verbauung wird aufgegeben. Ein Wiederaufbau wäre nicht finanzierbar gewesen. Dafür sollen zwei grosse Geschieberückhalteräume bei Enneteggen errichtet werden. Heute, ein Jahr nach Baubeginn 2018, ist das erste Becken - mit einer gewaltigen Rückhaltekapazität von mindestens 50‘000 m³ - fertiggestellt. Das zweite steht kurz davor.

Folgen für Wasserversorgung und Natur

(li) Das Aushubmaterial wird für den Bau der Auffangdämme und die Bruchsteinmauerwerke wiederverwendet.
(re) Die Geschiebeablagerungsräume werden mit einem massiven Abschlussbauwerk und mit einem Tosbecken abgeschlossen. • ​Fotos: Markus Gächter

Ein Entscheid zieht wie so oft weitere nach sich: Die beiden Geschieberückhalteräume Enneteggen liegen mitten in der ehemaligen Quellschutzzone der Wasserversorgung von Schwändi. Daher muss auch diese neu geregelt werden. Entsprechende Anpassungen sind Teil des Gesamtprojektes und werden bereits baulich umgesetzt. Der neue Hochwasserschutz ist ein erheblicher Eingriff in das umliegende Gelände. «Weil wir die Becken in einer natürlich vorhandenen Mulde platzieren konnten, verändern sie das Landschaftsbild jedoch kaum», erklärt Jakob Knobel, Technische Betriebe Glarus Süd.

Auch für die durch das Projekt beeinträchtigte Flora und Fauna ist gesorgt. Folgende Kompensationsmassnahmen sollen bis 2021 umgesetzt werden: Laichgewässer für Amphibien, natürliche Böden und Magerwiesen, Trockenmauern, Blockwürfe, Hecken und Einzelbäume. So findet die Bändigung der Naturgewalt schliesslich ein gutes Ende – für alle Beteiligten. Weitere Informationen

Feiern Sie mit der Guppenrunskorporation!

Am Samstag, 21. September 2019, findet das Einweihungsfest der Guppenrunse statt.
Ort: Baustelle im Enneteggen
Von 13.30 – 18.00 gibts gratis Wurst und Brot im Festzelt.

Text: Anina Rether • Fotos: Markus Gächter/Marty Ingenieure AG

 

Glarner Wasser-Geschichten, bisher erschienen:

1.9.2019

Hoch auf dem Berg – Tief im Fels

25.8.2019

Sind die Alpen bald trockengelegt?

18.8.2019

Lebensraum Wasser: Unsere Seen