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Am Fusse des Gufelstocks liegt das Fessis Seelein. Foto: Samuel Trümpy

Lebensraum Wasser: Unsere Seen

Dossier Wasser • Glarus gehört zu den wasserreichsten Kantonen der Schweiz. Seine vielen Seen stehen für Postkartenidylle und gute Wasserqualität. Christoph Jäggi, Abteilungsleiter Jagd und Fischerei, gibt Einblick in die vielseitig genutzten Lebensräume.

DOSSIER

Hier publiziert der neue Public Newsroom des Kanton Glarus jeden Sonntag Artikel und Hintergründe zu einem Schwerpunkt. In den folgenden 14 Wochen finden Sie Wissenswertes zum Thema «Wasser». 

Idyllische Bergseen 

Der Milchspüelersee im Kärpfgebiet, der Chüebodensee im Sernftal oder die Fessis-Seeli unterhalb des Gufelstockssind auf natürlichem Weg durch Gletscher oder Bergstürze entstanden. Besonders für Amphibien wie Kröten, Bergmolche oder Frösche sind sie wichtige Laichgewässer. Auch Insekten wie Libellen, Wasserläufer und Rückenschwimmer nutzen Bergseen als Lebensraum. Fische kommen auf dieser Höhe über 2000 Metern natürlicherweise nicht vor. Aus diesem Grund werden diese Seen jeweils im Frühjahr künstlich mit jungen Forellen besetzt. Im Gegensatz zu den Fliessgewässern, bei denen der Besatz von verschiedenen Fischarten auch einen ökologischen Nutzen hat, dient er in den Bergseen in erster Linie der Attraktivitätssteigerung für Fischer. 

Künstliche und natürliche Wasserspeicher 

Der Obersee oberhalb von Näfels liegt in einem Talkessel und ist ein Geheimtipp für Fischer. Foto: Samuel Trümpy

Das grosse Wasservorkommen im Glarnerland wird auch zur Energiegewinnung genutzt. Dazu werden bestehende Gewässer aufgestaut, um das Stauvolumen zu vergrössern. Beispiele dafür sind der Klöntaler See, der Obersee oder der Muttsee – der höchstgelegene Speichersee Europas. Künstliche Wasserspeicher sind hingegen der Garichtisee oder der Limmernsee, der zur Stromgewinnung der Linth-Limmern-Werke angelegt wurde. 

Dadurch ist neuer Lebensraum entstanden. Doch durch die Nutzung des Wassers ändert sich der Wasserstand immer wieder. Einerseits gibt es saisonalen Schwankungen: Der See wird über die Sommermonate gefüllt und im Winter für die Stromproduktion wieder entleert. Anderseits kann sich der Pegel je nach Stromproduktion auch täglich ändern.

Dies hat direkte Auswirkungen auf die Fortpflanzung von Amphibien und Fischen, die im Uferbereich laichen. Während im Klöntalersee die Felchen gut damit zurechtkommen, ist dort der Bestand der Elritze in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Der Schwarmfisch legt seine Eier im Flachwasser an Steinen ab – geht das Wasser bei den täglichen Schwankungen auch nur um ein paar Zentimeter zurück, trocknen sie aus.

Ein See der Superlative

Der tiefblaue Walensee mit Blick in Richtung Obstalden. Foto: Samuel Trümpy

Der grösste und tiefste See im Glarnerland ist der Walensee, wenn auch nur gut 15 Prozent seiner Fläche zum Kanton gehören. 

Trotz der Tiefe von 145 Metern ist sein Wasser manchmal trüb, bedingt durch den Gletscherabschliff und das Geschiebe, das mit dem Wasser des Escher-Kanals in den See gelangt. Der geringe Nährstoffgehalt des Wassers hat eine reduzierte Algenproduktion zur Folge, was eine gute Wasserqualität bedeutet. Die Flachufer und Flachwasserzonen, in denen Wasserpflanzen Lebensraum für Jungfische bieten, sind relativ selten. Dafür sind die häufig steil abfallenden Ufer grösstenteils in naturnahem Zustand.

Der Walensee ist reich an Leben. Alleine 16 verschiedene Fischarten sind hier beheimatet. Invasive, das heisst gebietsfremde Fischarten wie etwa der Stichling sind noch nicht bis in den Walensee vorgedrungen. Unter der Federführung des Kantons St. Gallen werden jährlich Hechte und Felchen besetzt. 

Seeforellen sind eine von 16 verschiedenen Fischarten, die im Walensee leben. Foto: Dan Bach-Kristensen/iStock

Eine besondere Bewohnerin des Walensee ist die Seeforelle – wie der Lachs ein Wanderfisch. In den Zuflüssen wie der Glarner Linth geboren, wandert sie nach ein bis zwei Jahren ab in den See und lebt in Tiefen von bis zu 70 Metern. In der Laichzeit zwischen Oktober und Dezember kehrt der Fisch zurück an seinen Geburtsort, um zu laichen. Doch aufgrund des begradigten Flusslaufs der Linth und anderer Seitengewässer finden die Seeforellen kaum geeignete Stellen für die Eiablage. Daher werden Seeforellen beim Aufstieg in die Flüsse gefangen und nach der Eiabnahme wieder in die Linth entlassen. Die Eier werden befruchtet, in der kantonalen Fischzuchtanlage Mettlen ausgebrütet und später als Besatz wieder in die Freiheit entlassen. 

Text: Anina Rether