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Wir sind Landsgemeinde: Die Gemeinderäte sind zuständig für ihre Mäuse

Mausefalle
Für die Arrestierung und/oder Exekution von Mäusen will der Kanton nicht zuständig sein • Foto: Wikimedia

Staatskanzlei • Aus der Geschichte kann man lernen. Der Public Newsroom gl.ch blickt in loser Reihenfolge zurück auf bemerkenswerte Entscheide der Glarner Landsgemeinde. Heute: Weshalb der Kanton Glarus 1926 nicht selber mausen wollte.

Von André Maerz, Public Newsroom gl.ch
 

Ein Bürger stellte zuhanden der Landsgemeinde von 1926 folgenden Antrag: «Der Kanton soll ein oder mehrere Feldmauser anstellen und einen Gehalt entrichten, dass dieser Beruf unparteiisch ausgeübt werden kann.» Begründet wurde der Antrag mit dem Hinweis auf den Schaden, welcher der Landwirtschaft durch die Mäuseplage erwachse. Weiter wird ausgeführt, dass die zahlreich angepriesenen Mittel und Apparate zur Vertilgung der Mäuse sich in der Praxis wenig bewährt hätten und dass man vielerorts wieder zur Anwendung der allgemein bekannten Feldmäusefalle zurückgekehrt sei.

Mäuse kennen keine Grenzen

Oft soll es auch vorkommen, dass bei benachbarten Grundstücke der eine Liegenschaftsbesitzer die Mäuse fangen lasse, der andere dagegen gar keine Massnahmen gegen diese Schädlinge treffe. Bei den verpachteten Liegenschaften treffe es ebenfalls vielfach zu, dass die Verpächter und die Pächter dieser Sache absolut keine Aufmerksamkeit schenkten.

Keine Plage wie bei den Maikäfern

Der Landrat hält nach der Überprüfung des Antrages fest, dass in den kantonalen Gesetzeserlassen keine besondern Bestimmungen enthalten seien, wie sie beispielsweise über die Bekämpfung der Maikäfer und Engerlinge erlassen worden sind, weil das Glarnerland von eigentlich grossen Mäuseplagen verschont geblieben sei.

Flurpolizeiliche Weisungen

Und schliesslich hätten die Gemeinderäte gesetzliche Mittel zur Hand, um gegen Private einzuschreiten, welche den Mäusefang auf ihren Liegenschaften vernachlässigen: Das Gesetz betreffend die Flurpolizei von1907. Da heisst es u. a.: «Die Tätigkeit der Organe der Flurpolizei erstreckt sich: (...) auf Bekämpfung der tierischen und pflanzlichen Schädlinge und Schmarotzer.» Und: «Die Grundbesitzer und Pächter sind verpflichtet, die (...) genannten Schädlinge zu beseitigen, und sie haben diesbezügliche flurpolizeilichen Weisungen sofort Folge zu geben. Wenn für den nachbarlichen Besitz Gefahr im Verzuge liegt, kann der Gemeinderat nach vorausgegangener nutzloser Weisung das Nötige auf Kosten des säumigen Besitzers besorgen lassen.»

Kopfgeld oder Pauschale

Im Memorial erwähnt der Landrat auch die Art und Weise, wie Feldmauser entlöhnt werden: Eine Anzahl Gemeinden setzen den Mauserlohn auf einen bestimmten Pauschalbetrag fest, wofür der Mäusefang auf sämtlichem Gemeindeland (Tagwenrechte und Gemeindeliegenschaften) zu besorgen ist. Andere Gemeinden und Private bezahlen noch eine Taxe auf das gefangene Stück unter Vorweisung und Kontrolle der Mäuse. In einzelnen Gemeinden dürfte auch die Möglichkeit geboten sein, den Mäusefang durch geeignete Leute im Taglohn besorgen zu lassen.

Der Landrat beantragte, die Mauserei solle im Sinne des Gesetzes über die Flurpolizei Sache der Gemeinden bleiben. Die Landsgemeinde stimmte diesem Antrag zu und lehnte den Memorialsantrag stillschweigend ab.

Und heute?

Gegen eine Mäuseplage kommen die Mittel der Integrierten Schädlingsbekämpfung zur Anwendung. Wer sein Geld in der Schädlingsbekämpfung verdienen will, muss diverse Anforderungen erfüllen. Die Schädlingsbekämpfung wird aber auch vermehrt im Sinne der schrumpfenden Biodiversität kritisch betrachtet, so auch in einem aktuellen kantonalen Vorstoss.

Feldmauser ist ein aussterbender Beruf, aber es gibt ihn noch, wie diese Reportagen zeigen:

Wir sind Landsgemeinde

Diese lose Serie über bemerkenswerte Entscheide der Glarner Landsgemeinde entsteht in Zusammenarbeit mit alt Ratssekretär und Fahrtsbrief-Verleser Josef Schwitter aus Näfels. Die Texte von Roland Wermelinger und André Maerz lehnen sich an das jeweilige Landsgemeinde-Memorial und an die Landsgemeindeprotokolle an.

Überblick über alle bisherigen Folgen

Mehr zur Glarner Landsgemeinde

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