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Wir sind Landsgemeinde: Keine Beschaffung von Automobilsprengwagen

Klausenrennen
Der Automobilverkehr machte Landwirte und Sozialdemokraten staubig • Foto: Landesarchiv Glarus

Staatskanzlei • Aus der Geschichte kann man lernen. Der Public Newsroom gl.ch blickt in loser Reihenfolge zurück auf bemerkenswerte Entscheide der Glarner Landsgemeinde. Heute: Weshalb die Landsgemeinde 1920 nichts von Automobilsprengwagen wissen wollte. Und was sind Automobilsprengwagen?

Von André Maerz, Public Newsroom gl.ch
 

Zuhanden des Landsgemeinde-Memorials von 1920 wurden zwei Anträge zum gleichen Thema eingereicht. Der Verband glarnerischer landwirtschaftlicher Vereinigungen forderte, es seien zwei Automobilsprengwagen auf Kosten des Landes zu beschaffen. Zur teilweisen Deckung der Kosten solle die Automobilgebühr, welche zu erhöhen wäre, in Betracht kommen. Mit der Besprengung (mit Wasser) der Landstrasse solle die Staubentwicklung infolge des Automobilverkehrs eingedämmt werden.

Ins gleiche Horn stiessen die sozialdemokratische Partei und das kantonale Gewerkschaftskartell: «Die Landsgemeinde 1920 beauftragt den Regierungsrat, die Strassengesetzgebung für die Erst- und Zweitklassstrassen in sämtlichen Abschnitten dergestalt zu ergänzen oder abzuändern, dass der Pflicht ausreichender Strassenbesprengung vollkommen Genüge geleistet wird.» Die Landsgemeinde solle den hierzu notwendigen Kredit für die allfällige Anschaffung von Sprengwagen und deren Betriebskosten genehmigen und eine Regelung schaffen, wonach die Gemeinden zur Strassensprengung verpflichtet werden können. Die Gemeinden seien allerdings berechtigt, nach Massgabe ihrer Auslagen für diejenigen Teile der Landstrassen, welche ausserhalb der Gemeinden liegen, eine Entschädigung zu verlangen.

Landrat setzt auf neue Technologie

In seinem Gutachten über diese beiden Anträge «weist der Landrat die Undurchführbarkeit der vorgeschlagenen Lösungen angesichts der weitgehenden finanziellen Konsequenzen nach» und empfiehlt die Ablehnung der Memorialsanträge. Aber der Landrat zaubert auch einen Vorschlag aus dem Hut, der die Landsgemeinde schliesslich überzeugt: Es wird in Aussicht gestellt, dass «Versuche mit der Strassenteerung» angeordnet werden. – Das überzeugt. Die Landsgemeinde folgt den landrätlichen Ablehnungsanträgen.

Und heute?

Im Glarnerland sind alle Kantonsstrassen und nahezu alle Gemeindestrassen asphaltiert, verursachen also keinen sichtbaren Staub. Hingegen bedroht Feinstaub, der von Automobilen mit Verbrennungsmotoren produziert wird, trotz immer schärferer Abgasvorschriften die Gesundheit von Mensch und Tier.

Der Kanton plant im Rahmen des jährlichen Strassenbauprogramms 2021 Ausgaben für Strassensanierungen in der Höhe von rund 15 Millionen Franken; weitere Investitionen tätigen die Gemeinden, kombiniert mit Erschliessungs- und Infrastrukturmassnahmen.

In der Ukraine und in Weissrussland wurden nach der Kernschmelze im Atomkraftwerk Tschernobyl (1986) während über 30 Jahren in einem Umkreis von 50 km täglich Strassen mit Wasser oder gar Klebstoff besprengt (Bild), um zu verhindern, dass radioaktive Staubpartikel vom Wind weitergetragen werden.  

Wir sind Landsgemeinde

Diese lose Serie über bemerkenswerte Entscheide der Glarner Landsgemeinde entsteht in Zusammenarbeit mit alt Ratssekretär und Fahrtsbrief-Verleser Josef Schwitter aus Näfels. Die Texte von Roland Wermelinger und André Maerz lehnen sich an das jeweilige Landsgemeinde-Memorial und an die Landsgemeindeprotokolle an. 

> Überblick über alle bisherigen Folgen

> Mehr zur Glarner Landsgemeinde

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