Glarner Regierungsrat warnt vor negativen Folgen der «10-Millionen-Initiative»
Regierungsratssitzung 5. Mai 2026 • Der Regierungsrat beantwortet eine Interpellation der SP-Landratsfraktion zur Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz! (Nachhaltigkeitsinitiative)». Er lehnt die Initiative ab und sieht mögliche Risiken für den Wirtschaftsstandort, die Gesundheitsversorgung und die Attraktivität des Kantons.
Am 16. Januar 2026 reichte die SP-Landratsfraktion eine Interpellation ein, um die Auswirkungen der geplanten Bundesabstimmung vom 14. Juni 2026 auf den Kanton Glarus zu klären. Die Initiative verlangt, die Schweizer Bevölkerung bis 2050 auf 10 Millionen Menschen zu begrenzen. In seiner Stellungnahme zieht der Regierungsrat eine kritische Bilanz.
Belastung für Wirtschaft und Fachkräfte
Der Regierungsrat teilt die Haltung der Konferenz der Kantonsregierungen (KDK) und spricht sich gegen die Initiative aus. Zwar schafft der kantonale Richtplan bereits die Basis für ein verträgliches Wachstum, doch eine starre Obergrenze gefährdet die wirtschaftliche Substanz. Besonders kritisch wird der verschärfte Fachkräftemangel beurteilt. Ein eingeschränkter Zugang zu ausländischen Fachkräften würde die Rekrutierung im Pflegebereich und in der spezialisierten Industrie massiv erschweren. Höhere Lohnkosten und ausbleibende Investitionen könnten Unternehmen zur Abwanderung bewegen.
Gefährdung der Grundversorgung und für den Finanzhaushalt
Der Regierungsrat ist besorgt über die medizinische Versorgung. Das Glarnerland ist stark auf ausländisches Personal angewiesen. Eine Zunahme von Wartezeiten für die Patienten und eine Überlastung des Personals wären bei einer Annahme wahrscheinlich. Auch in der Landwirtschaft drohen Engpässe, die zu steigenden Lebensmittelpreisen führen können. Bei sinkenden Steuereinnahmen durch geschwächte Unternehmen und Haushalte würde sich zudem der ohnehin angespannte kantonale Finanzhaushalt weiter verschlechtern.
Die Initiative schränkt die Anpassungsfähigkeit des Kantons Glarus in einer Zeit des schnellen Wandels unnötig ein und gefährdet zentrale Säulen der Lebensqualität im Glarnerland. Die Interpellation sowie die Stellungnahme des Regierungsrates sind in der Geschäftsdatenbank des Landrates publiziert.