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Wir sind Landsgemeinde: «Goog isch Goog»

Alt-Ratssekretär und Fahrtsbriefverleser Sepp Schwitter ist ein profunder Kenner der Näfelser Fahrt und der Glarner Landsgemeinde • Foto: zvg

Staatskanzlei • Aus der Geschichte kann man lernen. Der Public Newsroom gl.ch blickt in loser Reihenfolge zurück auf bemerkenswerte Entscheide der Glarner Landsgemeinde. Der Ursprung dieser Serie ist ein Erlebnis von Landsgemeindekenner Sepp Schwitter. Er schildert in seiner Mundartkolumne, warum aus der Redewendung «Hans wiä Heiri» oder «Ghupft wiä gsprungä» das glarnerdeutsche «Goog isch Goog» wurde.

Der Näfelser Publizist Sepp Schwitter ist ein bekannter Mann im Glarnerland. Man kennt ihn als früheren Redaktor der Glarner Nachrichten, als langjährigen Ratssekretär in der Staatskanzlei, als Verleser des Fahrtsbriefs bei der Näfelser Fahrt und jüngst auch als Verfasser von historischen Büchern wie «Die Handschriften von Balthasar Hauser», worin das 19. Jahrhundert aus Näfelser Sicht beleuchtet wird. Sepp Schwitter hat vor vielen Jahren auf einigen Seiten Papier besondere und bemerkenswerte Beschlüsse der Glarner Landsgemeinde zusammengetragen. Aus diesem Fundus heraus ist die lose Serie «Wir sind Landsgemeinde» entstanden. Dabei werden die historische Entstehungsgeschichte der Beschlüsse und ihre Auswirkungen auf die heutige Zeit beschrieben. 

«Goog isch Goog»

 ...und allerhand anders über d Landsgmei

Vum Sepp Schwitter

Schu as Bueb bini mit em Vatter ä d Landsgmei. Zäme mit e Huufe andere Buebe – due händ halt nu männlichi Wäse i Ring törfe – hämmer zu Füesse vum Landamme nuch öppe Zwüschebemerggige vu de Offizielle uf dr Büni gchört, wo nüd für ds Mikrofon bschtimmt gsii sind, und dorum gchörets etz ä nüd i d Ziitig…

Chüürzli händ die vu dr kantonaale Fachschtell Informaziuu und Kommunikaziuu gmeint, miini «Goog-isch-Goog-Gschicht» gchörti ine politischi Anekdote-Kolumne: Aso de halt! – E Landsgmeiredner isch mit eme Aatraag gad gaar nüd iiverstande gsii und hät daas ä tüütsch-und-tüütli gseit: Das Voorgschlage sig völlig lätz, vercheert und tumm: Die vu de Behöörde siged dorum fertigi Pädagooge. Wo-n-er i Ring zrugg isch, hät ne dr Landamme uufgchläärt: «Si händ üüs as Erzie-er und Leerer grüemt, ich säge Dangg! Si händ aber welewääg gmeint, mir siged Demagooge, Volggsverfüerer!» Er cheert si um und rüeft: «Goog isch Goog!» – Bim Schriibe isch mer unde ufe chuu, ich heg das vu früener schu emaal gläse und has e gfunde: Hans Tüürer, «Glarner Anekdoten», Landsgmei 1946. Wer weiss, hät deer i de Sächzgerjaar daas ägschtraa wider gseit: As dr Landamme sälber nuchemaal mos säge «mir siged Demagooge, Volggsverfüerer»? Uf jede Fall isch es e gflüglets Woort woorde.

Dr Eduard Bluemer isch dr lengscht Landamme gsii, nüd wäget siner Körpergröössi, nei, well er ä dr Landsgmei «König, Prediger und Prophet» i eim gsii und daas dorum 38 Jaar lang ä plibe isch (1887– 1925). Aber wells tängg ander ä gääre emaal woorde wääred, hät mä 1919 e Amtsduur vu zweimal drüü Jaar nach vier Maal abstimme völlig uuerwaartet aagnuu. Dr Blumer hät dr sofortig Rüggtritt erchläärt – und mä hät nümme gwüsst, wie wiiter, bis d Aatraagsteller (vilicht nüd uuni Schadefreud) gseit händ, daas chemm ja eerscht ab hüt gälte. Dr Bluemer hät ds Landesschwärt under stürmischem Bravoo und Applaus wider z Hande gnuu. – De Regle hät bis 1978 ggulte, drnaa die für vier Jaar bis 2006 und sider nu nuch d Helfti drvuu.

Dr Landamme Melchior Höfti hät eim, wo d Rüef «Uufhööre / Abe» überloset hät und wider vum Hundertschte ids Tuusigscht chuu isch, sis Wasserglaas aapotte: «Wetted-er echt nüd zwüschetine emaal e Schlugg nii?» – Statt eine znii, hät er dr Fade verlore und isch abe ab dr Büni.

Luut em Vatter söll eine nachem «Hoochvertruuti liebi Mitlandlüüt, hoochgeachtete Herr Landamme» naatloos wiitergmacht haa mit: «Was etz dr Landamme gad gseit hät, isch e eelände Luug…» Aber wo eine as Aareed nu «Grüezi» gseit hät, isch es ä nüd gad guet aachuu.

Wos um ds Stimmrächt mit Sächzächne ggange isch, bini mit eim z Rede chuu, wo drgäge gsii isch: «Wenigschtens us dr Leer sött mä de schu sii!» «Iich het aber ä gääre nüd bis mee as Zwänzgi gwaartet, bis i uf und nüd nu i Ring ha törfe.» Speeter hät er mer de gseit: «Ich ha ä Jaa gstumme; de Junge händ besser drfüür, as de Alte drgäge gredt!» – Übrigens: ämaal händ schu Vierzächejäärigi mitbestumme!

Iich bi e schu früe politisch woorde; vier Brüedere vu dr Mueter händ politisiert, jede inere andere Partii. Wos wäge dem i dr Stube emaal gad gaar luut woorde isch, hät d Grosmueter d Fänschter zuetue: «Sust meinets nuuch mir heged Schtriit!» Eigetli sött daas uunöötig sii: Es sind ja nu ander Meinige…

Publiziert in der Südostschweiz vom 2. Juli 2021

Wir sind Landsgemeinde

Diese lose Serie über bemerkenswerte Entscheide der Glarner Landsgemeinde entsteht in Zusammenarbeit mit alt Ratssekretär und Fahrtsbriefverleser Josef Schwitter aus Näfels. Die Texte von Roland Wermelinger und André Maerz lehnen sich an das jeweilige Landsgemeinde-Memorial und an die Landsgemeindeprotokolle an. 

«Wir sind Landsgemeinde» - Alle Folgen 

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