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Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Jugendsession 2018, im Nationalratssaal in Bern • Bild: Peter Schneider/Keystone

Politische Bildung ist auf gutem Weg

Regierungsratssitzung 13. August 2019 • «Der Weg zu einer Stärkung der politischen Bildung in der Volksschule ist geebnet.»

Die Kantonsregierung nimmt Stellung zum Postulat der FDP-Fraktion «Förderung der politischen Bildung im Kanton Glarus». Sie beantragt dem Landrat das Postulat zu überweisen und als erledigt abzuschreiben.

Ausgangslage

Am 13. Februar 2019 reichte die FDP-Fraktion das Postulat «Förderung der politischen Bildung im Kanton Glarus» ein. Sie fordert, dass der Regierungsrat einen Bericht erarbeitet und damit darlegt, wie die politische Bildung auf der Primar- und Sekundarstufe im Kanton besser und stärker gefördert werden könne. In der Begründung heisst es, der Kanton Glarus kenne heute lediglich an der Kantonsschule und an den Berufsschulen das Schulfach «Staatskunde». Somit würden viele Jugendliche während ihrer Schulzeit nie, zu wenig oder zu spät mit der Politik konfrontiert und verfügten über geringe politische Kenntnisse. Mit einer besseren Schulung solle erreicht werden, dass Schülerinnen und Schüler die Grundlagen unserer Demokratie und Menschenrechte besser verstehen und sich vermehrt dafür engagieren würden.

Antwort der Regierung

Die politische Bildung im weiteren Sinne ist bereits heute die Aufgabe aller Schulstufen, also auch von Primar-, Ober-, Real- und Sekundarschule. Dies wurde mit der Einführung des neuen Glarner Lehrplans für die Volksschule auf das Schuljahr 2017/18 noch deutlicher gemacht. Die entsprechenden Ziele und Inhalte im Lehrplan unterscheiden sich je nach Alter der Schülerinnen und Schüler. Politische Bildung beinhaltet gemäss heutigem Verständnis jedoch mehr als reine Staatskunde. Sie bedeutet nicht alleine das Erlernen der staatlichen Strukturen und der demokratischen Abläufe sowie das Kennenlernen deren Akteurinnen und Akteure. Politische Bildung beinhaltet das direkte Erleben von Politik und das Partizipieren an demokratischen Abläufen. Sie setzt im praktischen Umfeld dort an, wo Mitwirkung gefragt ist und somit klar im Unterricht. Das gemeinsame Verständnis von Demokratie und die Benennung demokratischer Prozesse bedingen eine intensive Auseinandersetzung und erfordern für ein weitgehendes Verständnis auch eine gewisse Altersreife. An den Glarner Schulen werden die Themen Politik und Menschenrechte sowohl in der Kindergarten- und Primarstufe als auch in der Sekundarstufe thematisiert und geübt.

Politische Bildung im Glarner Lehrplan für die Volksschule

Auf der Primarstufe ist die politische Bildung Teil des Sachunterrichts und darauf ausgerichtet, dass Schülerinnen und Schüler lernen, miteinander umzugehen, die Gemeinschaft mitzugestalten und sich eine eigene Meinung zu bilden. Auf der Sekundarstufe I findet im Rahmen des Faches «Räume, Zeiten, Gesellschaften» eine Einführung in politische Systeme und Demokratiekonzepte statt. Auch die Sensibilisierung für Rechte und Pflichten, insbesondere für Verfassungs- und Menschenrechte und die Positionierung der Schweiz in Europa, ist ein Thema.

Politische Bildung ist im Lehrplan 21 und somit auch im Glarner Lehrplan für die Volksschule kein eigener Fachbereich. Auf allen Stufen werden jedoch Kompetenzen zum Thema «Politische Bildung» erworben. Die Landsgemeinde wurde beispielsweise als Glarner Besonderheit im Lehrplan explizit als verbindliches Thema aufgenommen. Zudem ist politische Bildung als fächerübergreifendes Thema «Politik, Demokratie und Menschenrechte» unter der Leitidee Nachhaltige Entwicklung präsent.

Kindergarten- und Primarstufe

Bereits auf Kindergarten- und Primarschulstufe werden politische Prozesse im Rahmen des «Klassenrates» oder ähnlichen Formen fächerübergreifend und situationsbezogen besprochen und geübt. Immer wieder führen einzelne Schulen im Rahmen von Projektwochen eine «Landsgemeinde» durch, um mit den Lernenden diesen politischen und gesellschaftlich wichtigen Prozess des Kantons Glarus zu erleben.

Sekundarstufe I

Der Lehrplan der Sekundarschule schliesst nahtlos an die in der Primarschule erworbenen Kompetenzen an. Historische und geografische Themen werden nun vorwiegend in den Fachbereichen «Räume, Zeiten, Gesellschaften» sowie «Ethik, Religion und Gemeinschaft» behandelt. Als Glarner Besonderheit wurde in der Stundentafel der Sekundarstufe die «Klassenstunde» aufgenommen. In dieser wöchentlichen Lektion befassen sich die Lernenden mit der Berufswahl und üben, wie man in einer Gemeinschaft partizipiert (sich eine Meinung bilden und diese vertreten, Probleme lösen, Kommunikationsregeln, Abstimmungen durchführen etc.).

Einführungsprozess Glarner Lehrplan für die Volksschule

Der Glarner Lehrplan für die Volksschule befindet sich noch in der Einführungsphase, welche im Jahre 2021 abgeschlossen sein wird. Verschiedene Weiterbildungen unterstützen die Lehrpersonen bei der Umsetzung des Lehrplans. Insbesondere auf der Sekundarstufe I wurden die Lehrpersonen intensiv auf die neuen Fächer RZG und ERG – und damit auf den Themenkreis «politische Bildung» – vorbereitet und weitergebildet.

Schlussfolgerungen

Der Regierungsrat teilt grundsätzlich das Anliegen der Postulanten, die politische Bildung auf der Primar- und Sekundarstufe stärker zu fördern. Dafür in der Volksschule ein separates Fach «Politische Bildung» einzuführen – dies wird im Postulat als Idee aufgeworfen –, erachtet er jedoch nicht als zielführend. Der Kanton Glarus stünde mit einem solchen Entscheid faktisch alleine da (ausser Kanton Aargau, 1 Wochenlektion im letzten Schuljahr), während er sich mit dem Beitritt zum HarmoS-Konkordat an und für sich zur Harmonisierung der Unterrichtsinhalte mit anderen Kantonen verpflichtet hat. Die Einführung eines solchen Faches stünde zudem im Widerspruch zum interkantonal getragenen Anliegen, gesellschaftlich relevante Themen im Sinne der im Lehrplan 21 formulierten «Bildung für Nachhaltige Entwicklung» von einzelnen Fächern zu lösen und in möglichst alle Fächer und Fachbereiche einzubinden.
Inhalte aus dem Themenkreis «politische Bildung» finden im neuen, erst vor kurzem eingeführten Lehrplan explizit ihren Niederschlag. Der Weg zu einer Stärkung der politischen Bildung in der Volksschule ist aus Sicht des Regierungsrates demnach geebnet, und zwar in der geeigneten Form. Ihm ist bewusst, dass die konkreten Auswirkungen des neuen Lehrplans erst nach der Einführungsphase zu beobachten sein werden, respektive sogar erst dann, wenn ein Kind die gesamte Schullaufbahn auf den neuen Grundlagen durchlaufen durfte.

Vorliegend lässt sich feststellen, dass mit der Einführung des neuen Glarner Lehrplans unlängst eine Weiterentwicklung des Volksschulunterrichts verbunden mit verstärkter politischer Bildung angestossen worden ist. Dem parlamentarischen Vorstoss wird damit im Ergebnis entsprochen. Der Regierungsrat beantragt, das Postulat als bereits mit seiner Stellungnahme erfüllt abzuschreiben.