Neue Lawinenverbauungen sichern die Klausenstrasse

Beteiligte Akteure der Erweiterung des Lawinenverbauungsprojekt Rietstöckli: (von links): Planer Martin Ammann, Polier Samuel Rhyner, Ruedi Zweifel, Gemeinde Glarus Süd, Ulrich Aerne, Abteilung Wald und Naturgefahren Kanton Glarus, Christoph Schneider, Verwaltungsrat Marti AG, Matt, Regierungsrat Thomas Tschudi, Departementsvorsteher Bau und Umwelt, und Adrian Ringenbach, Abteilung Wald und Naturgefahren • Foto: Adrian Ringenbach

Departement Bau und Umwelt • Die Ausbauetappe 2024–2026 der Lawinenverbauung Rietstöckli ist abgeschlossen. Neue Stahlschneebrücken und ergänzende Schutzbauten schliessen eine Lücke oberhalb der Klausenstrasse. Sie verbessern den Schutz der im Winter einzigen Strassenverbindung zum Urnerboden. Die Arbeiten kosteten rund 1,4 Millionen Franken.

Oberhalb der Klausenstrasse sind in den vergangenen drei Jahren rund 460 Laufmeter Stahlschneebrücken entstanden, verteilt auf 13 einzelne Werke. Sie schliessen insbesondere die bisherige Lücke zwischen den Verbauungsflächen Burstegg und Rietstöckli. Die Bauten sollen verhindern, dass sich dort grössere Schneebretter lösen und zu Tallawinen entwickeln.

Ergänzend wurden drei temporäre Holzschneerechen und 25 Dreibeinböcke zum Schutz der Aufforstung errichtet. Hinzu kommen 870 Laufmeter neue Begehungswege, die Kontrollen und Unterhaltsarbeiten erleichtern. Mehrere bestehende Schutzbauten wurden saniert.

Regierungsrat Thomas Tschudi, Vorsteher des Departements Bau und Umwelt, besichtigte die fertiggestellten Werke am 16. September anlässlich des Projektabschlusses:

Mit dem Abschluss dieser Etappe wird eine wichtige Lücke im bestehenden Schutzsystem der Klausenstrasse geschlossen. Die neuen Werke erhöhen die Sicherheit der Glarner Verkehrsinfrastruktur und damit auch die Erreichbarkeit des Urnerbodens.

Regierungsrat Thomas Tschudi

Lawinenereignis von 2019

Im Januar 2019 löste sich unmittelbar unterhalb der bestehenden Verbauung ein aussergewöhnlich grosses Schneebrett. Die Lawine zerstörte eine grössere Waldfläche und verschüttete die Klausenstrasse auf einer Breite von rund 120 Metern.

Die Abteilung Wald und Naturgefahren liess daraufhin eine Risikoanalyse erstellen. Darauf stützte sich die Planung der Erweiterung durch die Ammann Ingenieurbüro AG und die MFrei Infra GmbH. Die Marti AG aus Matt führte die Bauarbeiten termingerecht und unfallfrei aus. Zum Einsatz kam dabei auch Polier Samuel Rhyner, der seit 1990 an sämtlichen Ausbau- und Sanierungsetappen am Rietstöckli mitgearbeitet hat. Die Gesamtkosten einschliesslich Planung belaufen sich auf rund 1,4 Millionen Franken.

Lawinenschutz mit langer Geschichte

Die Klausenstrasse gehört zum Glarner Kantonsstrassennetz und verbindet im Sommer das Glarner- mit dem Urnerland. Seit dem Winter 1960/61 wird die Verbindung auch im Winter möglichst offengehalten. Wegen Lawinengefahr und Lawinenniedergängen musste sie in schneereichen Wintern dennoch immer wieder gesperrt werden. Besonders lange dauerte die Sperrung im Winter 1968/69: Vom 3. Januar bis zum 3. April blieb die Strasse durchgehend geschlossen. Im Winter 1977/78 verschüttete die Staldenlaui die Klausenstrasse neunmal, die Fruttlaui weitere zweimal. Am 4. Mai 1986 stimmte die Glarner Landsgemeinde einem Kredit zur Verbauung der Balm-, Frutt- und Staldenlaui zu. Die Lawinenverbauung am Rietstöckli wurde anschliessend zwischen 1989 und 2003 realisiert.

Dabei entstanden mehr als 4'000 Laufmeter permanente Stützwerke. Dazu gehören Stahlschneebrücken und Schneenetze. Ergänzend wurden Verwehungszäune, weitere Schutzbauten aus Holz und Aufforstungen erstellt. Die heutige Erweiterung ergänzt dieses bestehende Schutzsystem gezielt.

Die neuen Schutzbauten stehen auf Grundstück der Gemeinde Glarus Süd. Ein Dienstbarkeitsvertrag zwischen Gemeinde und Kanton regelt die Nutzung der Flächen und sichert den langfristigen Bestand der Werke.

Medienkontakt

Adrian Ringenbach, Fachspezialist Naturgefahren: 055 646 64 52 I adrian.ringenbach@gl.ch

: Neu erstellte Stahlschneebrücke im Gebiet Rietstöckli
: Stahlschneebrücke im Gebiet Rietstöckli
: Blick hoch zu den alten Verbauungen
: Neu erstellte Holzschneerechen aus Kastanienholz. Sie haben eine Lebensdauer von rund 30–40 Jahren und sollen dann durch den aufkommenden Schutzwald abgelöst werden • Fotos: Adrian Ringenbach
: Anriss des Lawinenereignis Januar 2019, welches 120 Meter der Klausenstrasse verschüttete und auschlaggebend war für die Erweiterungsetappe 2024–2026 • Foto: zvg