Die Herausforderungen

Für eine bessere Zukunft

Der Kanton Glarus bietet mit seinen wohnlichen Dörfern in naturnahen Landschaften ein hohes Mass an Geborgenheit und Lebensqualität. Seine Bevölkerung und seine Wirtschaft haben sich in den letzten Jahren aber nicht so entwickelt, wie es angestrebt wurde. Mit der Gemeindestrukturreform GL 2011 hat der Kanton Glarus ein Fundament gelegt, um den Abwärtstrend aufzuhalten und die Zukunft zu sichern.

Naturnahe, unberührte Landschaften, wohnliche Dörfer und die kleinste Hauptstadt der Schweiz: Glarus ist ein Kanton mit vielen schönen Seiten. Ein Kanton, der trotz seiner Kleinheit im Lauf seiner Geschichte viele soziale und staatliche Errungenschaften zu verzeichnen hat. Doch die Rahmenbedingungen, die das hohe Mass an Lebensqualität im Glarnerland ermöglichten, haben sich in den vergangenen Jahren verschlechtert. Bevölkerung und Wirtschaft verzeichnen eine unterdurchschnittliche Entwicklung, und im Steuerwettbewerb ist der Kanton Glarus noch stärker gefordert. Weder der Kanton noch die Gemeinden im Glarnerland verfügen über so viel finanzielle Mittel wie noch vor Jahren. Die Einwohnerinnen und Einwohner erwarten aber weiterhin dieselben Dienstleistungen und vor allem dasselbe Steuerniveau wie zuvor. Möglich ist das aber nur, wenn sowohl bei der Bevölkerung als auch der Wirtschaft ein quantitatives und qualitatives Wachstum erzielt wird und wenn die knappen finanziellen Mittel klug und sparsam eingesetzt werden.

Mit der Gemeindestrukturreform "GL 2011: 3 starke Gemeinden – ein wettbewerbsfähiger Kanton" hat der Kanton Glarus eine wesentliche Grundlage geschaffen, um die Herausforderungen der Zukunft bewältigen zu können. Mit den sehr alten Strukturen und den verschiedenartige Zusammenarbeitsformen wäre Glarus schlecht vorbereitet gewesen.

Kleinräumige Strukturen hemmten die Entwicklung

Noch Ende 2005 verfügte der Kanton Glarus mit seinen rund 38'000 Einwohnerinnen und Einwohnern – also der Bevölkerungszahl einer kleineren Schweizer Stadt – über 70 Körperschaften: Ortsgemeinden (politische Gemeinden), Schulgemeinden, Fürsorgegemeinden, Tagwen (Bürgergemeinen) und alle Formen von Zusammenschlüssen und Verbindungen. Diese komplizierten, kleinräumigen Strukturen machten die Umsetzung wirksamer Strategien sowohl für den Wohnstandort als auch den Wirtschaftsstandort Glarus sehr schwierig und schwerfällig.

Grafik Gemeindestrukturen
Gemeindestrukturen im Kanton Glarus

Bedenkliche Finanzsituation

Viele der bisherigen Glarner Gemeinden waren nur dank der finanziellen Unterstützung des Kantons lebensfähig. Auch viele Schulgemeinden befanden sich in einer alarmierenden Finanzlage, und bei den Fürsorgegemeinden hatte sich die Finanzsituation seit 2000 ebenfalls deutlich verschlechtert. Während im Jahr 2000 das Gesamtvermögen der Glarner Gemeinden noch 25 Millionen Franken betrug, war 2004 eine Nettoschuld von einer Million Franken zu verzeichnen. Der Kanton Glarus und seine Gemeinden lebten auf Kosten der kommenden Generationen.

 Grafik Entwicklung des Gemeindevermögens
Entwicklung des Gemeindevermögens in den Jahren 2000–2004 (in Mio. Franken)
Grafik Kantonsschulden

Entwicklung der Kantonsschulden von 1996-2004 (in Mio. Franken)

Milizsystem am Limit

Viele kommunale Körperschaften hatten Probleme, geeignete Leute für die zahlreichen Aufgaben zu finden. Einige Gemeinden konnten nicht mehr alle Gemeinderatssitze besetzen. Hinzu kommt, dass die Anforderungen in der Zukunft noch viel komplexer werden und ein fundiertes Fachwissen voraussetzen. Ein Milizsystem, das in kleinen und kleinsten Räumen funktionieren muss, stösst hier an Grenzen.

Ungünstige Bevölkerungsentwicklung

Die Schweizer Bevölkerung wächst, die Glarner Bevölkerung stagniert. Zwischen 1960 und 2001 war die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner im Kanton stark rückläufig, danach ist sie etwa gleich geblieben. Während das Glarner Unterland wächst und das Mittelland stabil ist, verliert das Hinterland an Bevölkerung. Auch die demografische Entwicklung verläuft ungünstig: Der Anteil der älteren Mitbürger und Mitbürgerinnen an der Gesamtbevölkerung nimmt schnell zu. Gleichzeitig nimmt die jüngere Altersgruppe ab. Diese Tendenzen haben negative Folgen für die Bildung, die Gesundheit, den Arbeitsmarkt, die soziale Sicherheit und das Wohnen im Glarnerland.

 Grafik Bevölkerungsentwicklung
Bevölkerungsentwicklung

Die Schule vor einem Paradigmenwechsel

Viele der Glarner Schulgemeinden befanden sich in einer prekären finanziellen Situation, und die Schülerzahlen gingen markant zurück. Ausserdem kommen auf das Schulwesen neue Aufgaben zu, auf die es sich zu rüsten galt: Neue Lerninhalte und Fördermassnahmen, die Schaffung von Tagesstrukturen, Schulleitungen und so weiter. Gute Schulen sind eine wesentliche Voraussetzung für einen attraktiven Wohnstandort.

 Grafik Geburtenraten
Geburtenrate

Überforderte Fürsorge- und Vormundschaftsstellen

Die Fürsorge- und Vormundschaftsfälle wachsen auch im Kanton Glarus stetig an. Gleichzeitig werden sie komplexer und anspruchsvoller. Viele der im Milizsystem tätigen Personen stiessen vermehrt an Grenzen und forderten Unterstützung beim Kanton an. Es galt, ein qualitativ hoch stehendes Sozialwesen zu sichern.