Bilten
8865 Bilten
438 m ü. M.
1971 Einwohner
Homepage: www.bilten.ch
Bilten ist die nördlichst gelegene Gemeinde des Kantons. Das Strassendorf am Bergfuss beziehungsweise am Rand der Linthebene dehnt sich heute gegen den Linthkanal hin aus. Es besteht aus den Dorfteilen Oberbilten, Rufi und Unterbilten; der Weiler Ussbühl befindet sich an der Grenze zum Kanton Schwyz.
Eventuell war Bilten schon in römischer Zeit besiedelt. Eine Statuette des Merkurs aus Bronze kam zwischen Ziegelbrücke und Bilten 1875 beim Bahnbau zum Vorschein. Der Ortsname geht wohl zurück auf romanisch villetta mit den Bedeutungen kleines Landgut, Gutshof.
1178 bestätigte Papst Alexander III. dem Frauenkloster Schänis seine Besitzungen, darunter Güter zu Villitun (Bilten). Fürs Jahr 1345 ist die St. Katharinenkapelle unterhalb des Dorfes bezeugt.
Bilten gehörte zum Gaster bis zur Aufnahme ins Land Glarus im Jahr 1415. Drei Jahre zuvor hatte es sich von den dem Stift Schänis zu entrichtenden Grundzinsen losgekauft. Bilten bildete in früher Neuzeit zusammen mit Kerenzen einen Wahltagwen.
Seit 1528 war das Dorf mehrheitlich reformiert und von da an nach Niederurnen pfarrgenössig. 1607 weihte es eine eigene Kirche ein, fünf Jahre später kam es zur vollständigen Loslösung von finanziellen Verpflichtungen gegenüber Schänis.
1608 wurde das “Elsenerhaus“ gebaut, dessen Giebelstube 1618 von Heinrich Elsener mit Renaissancegetäfer ausgestattet wurde. Im 18. Jahrhundert scheint Bilten eine Bedeutung als Glarner Zollstation gehabt zu haben. 1762 wurde die Einführung einer Schulsteuer beschlossen. Zu Beginn jenes Jahrhunderts zählte das Dorf 112 erwachsene evangelische Landleute männlichen Geschlechts. 1794 registrierte man in Bilten 149 Oberjährige. Insgesamt lebten dort zu dieser Zeit rund 650 Menschen. Die damals zunehmende Versumpfung der Linthebene förderte Krankheiten. Massnahmen dagegen ergriff etwa der Biltner Tagwensbürger und Kirchenvogt Johann Jakob Heussy (1762-1831). Der kaufmännisch gebildete Heussy war Ratsherr für Bilten, Landvogt und helvetischer Regierungsstatthalter. Die zwischen 1807 und 1827 durchgeführte Linthkorrektion beseitigte dann die Seuchengefahr.
Von 1887?1939 sicherte man den Biltner Bach planmässig gegen Ausbrüche. Ein weiteres Verbauungsprojekt wurde 1997 abgeschlossen durch die seit 1985 bestehende Gesamtkorporation für die Wildbäche. Seit 1976 ist zudem unterhalb des Dorfes die Abwasserreinigungsanlage für das Glarnerland sowie für Weesen und Amden in Betrieb.
1839 baute die Gemeinde das erste Schulhaus, 1853 eröffnete sie eine Knaben-Erziehungsanstalt im “Elsenerhaus“, die 1944 ihre Türen schloss. 1961 wurde eine katholische Notkapelle, später ein fester Bau erstellt.
1875 wurde Bilten ins Netz der Nordostbahn integriert. Dennoch stagnierte die Einwohnerzahl (im Jahre 1850 betrug sie knapp 700, 1900 rund 500, 1950 etwa 700). Biltens wirtschaftlicher Aufschwung kam mit dem Bau einer Grossmetzgerei 1958 (1995 geschlossen) und der Dämm- und Verpackungsstofffirma 1964. Diese Entwicklung förderte zudem der Autobahnanschluss 1974. Ende der 1980er-Jahre wohnten in Bilten fast 1800 Personen. Seit 2002 ist Bilten schweizerischer Hauptstandort eines Pet-Flaschen-Herstellers.
