Wirtschaftsgeschichte

Innenaufnahme Hängiturm Ennenda

Der Kanton Glarus ist der am stärksten industrialisierte der Schweiz. Von 18'762 Voll- und Teilzeitarbeitsstellen bietet 2001 der zweite Sektor deren 7965 (42.5%) und der dritte 9527 (50.7%) an. Im ersten Sektor arbeiteten im Jahr 2000 1270 Personen (6.8%). 

Ein Blick in die Wirtschaftsgeschichte zeigt, dass die Glarner schon früh keine Selbstversorger mehr sind. Sie sichern sich bereits im 15. Jahrhundert ihr Auskommen mit Viehexport und Handel mit Milchprodukten - zu denen damals schon der Glarner Ziger gehört. Der Alpwirtschaft kommt heute noch Bedeutung zu. Die 96 Alpen werden von 125 Sennen mit knapp 14'000 Tieren bestossen. Je Alpsommer werden rund 4000 Tonnen Milch verarbeitet.

Von etwa 1500 bis 1800 bildet die Reisläuferei eine der Hauptverdienstquellen der Glarner. Fast 1000 bringen es in Fremden Diensten zum Offizier, einige zudem zu Ruhm, Ansehen und Reichtum; und noch viel mehr verlieren als Soldaten das Leben. Der Herrschaftssitz von Kaspar Freuler zeugt von den Möglichkeiten eines Heerführers jener Zeit. Heute beherbergt dieses schönste Bürgerhaus der Schweiz aus dem 17. Jahrhundert das äusserst sehenswerte Museum des Landes Glarus (mit Textildruck-, Skisport-, Militär- und Waffenabteilung).

Im 16. und 17. Jahrhundert kommt der Handel mit gewerblichen Produkten (Schiefertafeln und -tische, Griffel, gestrickte Strümpfe, Kappen, Mätzenwebereiwaren) und später, in einer Zeit der Verdienstlosigkeit, die Handspinnerei auf.

Um 1740 hält mit der ersten Zeugdruckerei die Fabrikindustrie Einzug ins Tal, was dazu führt, dass die Weberei aufgenommen wird. In Zeiten des Niedergangs - wegen der Maschinenspinnerei und -weberei - kommt es zu Auswanderungswellen. Mitte des 19. Jahrhunderts verlässt jede zwölfte Person das Glarnerland. An diese wirtschaftlich schlimmen Situationen erinnert die Siedlung «New Glarus» im Staate Wisconsin/USA, die 1845 von ausgewanderten Glarnern und Glarnerinnen errichtet wird, und zu der immer noch gute Beziehungen bestehen. Einige Jahre später (um 1865) kommt es zum «glarnerischen Wirtschaftswunder». Die Bevölkerung wächst stark an. Die Textilindustrie bietet über 10'000 Arbeitsplätze an und ihre Produkte gelangen dank ausgezeichneter Qualität, Kundenbedürfnisse wahrnehmender Marktforschung vor Ort, weit verzweigtem Netz an Handelsniederlassungen in jeden Winkel der Erde.

Der Niedergang der Druck- und Textilindustrie gegen Ende des Jahrhunderts trifft das Land hart. Doch schafft, wie die oben erwähnten Zahlen belegen, die glarnerische Wirtschaft den Strukturwandel. So finden sich heute beispielsweise im denkmalgeschützten «Hänggiture» - Holzturm, an und in dem einst die bedruckten bunten Tücher zum Trocknen ausgehängt waren - High-Tech-Unternehmen. Die gewonnene Vielseitigkeit liess die glarnerische Wirtschaft widerstandsfähiger werden; geblieben ist die enorme Exportabhängigkeit.

Auch dem Tourismus kommt - insbesondere in den Orten Braunwald, Elm und Filzbach - grosse Bedeutung zu, der Dienstleistungssektor wächst stetig und die Infrastruktur im Tal lässt kaum Wünsche offen.